Edelmetall-Wissen

Edelmetalle auf Echtheit prüfen

Passt der Stempel zum Material? Hier erfährst Du, was Du an Gold, Silber, Platin und Palladium selbst prüfen kannst und wann Fachleute weiterhelfen.

Vor dem ersten Test

Ein Hinweis ist noch kein Beweis.

Gewicht, Prägung und Materialeigenschaften müssen zusammenpassen. Ein einzelner bestandener Heimtest bestätigt die Echtheit nicht. Auffällige Ergebnisse sind ein Grund, genauer prüfen zu lassen. Grundlagen der Prüfung

Schonend anfangen.

Behandle Münzen schonend: am Rand halten, eine weiche Unterlage verwenden und nicht für einen Test polieren oder ankratzen. Bei Sammlerstücken zuerst fachkundigen Rat einholen. Hinweise zur Münzpflege

01 / Erste Hinweise

Damit kannst Du zu Hause anfangen.

  1. Die genaue Ausführung vergleichen.

    Suche die Herstellerangaben zu Metall, Jahrgang und Stückelung. Vergleiche Motiv, Schrift, Rand und vorhandene Sicherheitsmerkmale unter einer Lupe. Eine Abweichung kann auffallen; eine gut gemachte Kopie kann trotzdem ähnlich aussehen. Sichtprüfung

    Auch ein eingeschweißter Barren mit passender Seriennummer auf dem Zertifikat kann gefälscht sein. Verpackung und Nummer allein reichen deshalb nicht aus. Barren und Zertifikate

  2. Gewicht und Maße zusammen prüfen.

    Nutze eine geeignete Feinwaage und miss vorsichtig Durchmesser beziehungsweise Länge, Breite und Dicke. Vergleiche mit den Sollwerten dieser Ausgabe und berücksichtige Messgenauigkeit sowie Herstellertoleranzen. Das Verpackungsgewicht gehört nicht zum Metallgewicht. Wiegen und Messen

    Vergleiche das Gesamtgewicht mit dem Gesamtgewicht, nicht mit dem Feingewicht. Eine legierte Goldmünze kann mehr wiegen als die auf ihr genannte Feinunze. Gewicht und Feinheit erklärt.

  3. Magnetverhalten richtig einordnen.

    Nähere einen Magneten vorsichtig, ohne über die Oberfläche zu kratzen. Reines Gold und reines Silber haften nicht wie Eisen daran. Bleibt die Anziehung aus, ist das aber kein Echtheitsbeweis: Auch Kupfer kann diesen einfachen Test bestehen. Grenzen des Magnettests

    Übertrage diese Regel nicht pauschal auf Schmucklegierungen, Platin oder Palladium. Ihre Zusammensetzung beziehungsweise ihr eigenes Magnetverhalten verändert die Aussage. Ein Handmagnet ersetzt keine empfindliche Magnetwaage. Unterschiede zwischen den Metallen

02 / Die vier Metalle

Was bei Deinem Metall zählt.

Gold prüfen.

Bei Münzen und Barren sind die genaue Ausführung, Gewicht und Maße der erste Vergleich. Eine passende Dichte reicht allein nicht: Wolfram ist mit rund 19,25 g/cm³ fast so dicht wie Feingold mit rund 19,3 g/cm³. Ein Fremdkern kann dadurch bei einfachen Gewichtsprüfungen unauffällig bleiben.

Bei einem 333er oder 585er Schmuckstück gelten die Werte von Feingold nicht. Weitere Legierungsmetalle beeinflussen Dichte und Leitfähigkeit. Für Schmuck ohne verlässliche Vergleichsdaten ist eine fachkundige Materialprüfung sinnvoll. Gold, Fremdkerne und Schmucklegierungen

Silber prüfen.

Vergleiche auch hier Prägebild, Rand, Gewicht und Maße. Eine Dichtemessung kann Fremdmaterial erkennen, wenn dessen Dichte abweicht. Es gibt jedoch Silberfälschungen mit ähnlich dichten Kernen, die bei Gewicht und Abmessungen kaum auffallen. Eine passende Leitfähigkeitsprüfung liefert einen weiteren Anhaltspunkt. Prüfung von Silber

Der bekannte Magnet-Gleittest ist ebenfalls kein Nachweis: Ein bewegter Magnet kann auch auf Kupfer gebremst werden. Versilbertes Kupfer lässt sich damit also nicht sicher von massivem Silber unterscheiden. Für empfindliche Münzoberflächen ist das Gleitenlassen zudem keine gute Wahl. Warum der Gleittest täuschen kann

Platin prüfen.

Bei einer Platinmünze oder einem Platinbarren helfen zunächst die Herstellerdaten zu Gewicht und Abmessungen. Die Oberflächenzusammensetzung lässt sich mit einer Röntgenfluoreszenzanalyse untersuchen; bei Barren muss auch das Innere berücksichtigt werden. Prüfung von Edelmetallbarren

Platin ist paramagnetisch, wird von einem Magnetfeld also schwach angezogen. Daraus folgt nicht, dass es wie Eisen an einem Handmagneten haften muss. Ein schlichtes „magnetisch oder nicht“ ist für die Echtheitsprüfung ungeeignet. Magnetverhalten von Platin

Palladium prüfen.

Nutze bei bekannten Münzen und Barren die Daten der Palladium-Ausführung. Die gleichnamige Platin- oder Silbermünze ist kein passender Vergleich. Bei Schmuck mit unbekannter Zusammensetzung kann eine Laboranalyse den Palladiumgehalt bestimmen. Feingehaltsanalyse im Labor

Auch Palladium ist paramagnetisch. Sein Magnetverhalten muss zum Material passen; allein daraus lässt sich seine Echtheit nicht bestätigen. Die Eigenschaften von Gold und Silber sind dafür kein Maßstab. Magnetverhalten von Palladium

03 / Genauer hinsehen

Gold mit Säure prüfen: die Strichprobe.

So funktioniert das Prinzip.

Dieses Verfahren nutzen auch Goldschmiede zur Prüfung von Goldschmuck. Ein kleiner Materialabrieb auf einem Prüfstein wird mit Proben bekannter Feinheit verglichen. Die Reaktion auf geeignete Prüfsäuren hilft, den Goldgehalt einzugrenzen. Strichprobe beim GIA

Was das Ergebnis offenlässt.

Geprüft wird das abgeriebene Material. Stammt es nur aus einer Goldschicht, sagt das Ergebnis nichts Sicheres über den Kern aus. Der Abrieb kann außerdem eine kleine Spur am Stück hinterlassen. Bei wertvollen Münzen oder empfindlichem Schmuck sollte zuerst eine geeignete schonende Prüfung besprochen werden. Oberfläche und Materialverlust

Die Methode ist damit keine reine Händlerangelegenheit, aber auch kein unbedenklicher Haushaltstest. Prüfsäuren erfordern Fachkenntnis, geeignete Schutzmaßnahmen und die Beachtung der Herstellerhinweise. Für eine private Prüfung ist eine entsprechend ausgestattete Goldschmiedewerkstatt oder Prüfstelle der passende Ansprechpartner. Umgang mit Prüfsäuren

Was bringt eine Dichteprüfung?

Eine hydrostatische Wägung vergleicht das Gewicht in Luft und beim Eintauchen in Wasser. Damit lässt sich die Dichte ermitteln. Ähnlich dichte Fremdmaterialien bleiben aber ein Problem. Dichteprüfung und ihre Grenzen

Für einen unbekannten Ring mit Steinen, geschlossenen Hohlräumen oder mehreren Materialien ist ein Vergleich mit der Dichte eines reinen Metalls nicht aussagekräftig. Bei solchen Stücken sollte eine Fachperson das geeignete Verfahren wählen. Auch eine Legierung braucht passende Vergleichswerte. Besonderheiten von Schmuck

04 / Prüfverfahren im Vergleich

Was Fachleute zusätzlich prüfen.

Frag beim Goldschmied, Edelmetallhändler oder einer Scheideanstalt nach, welche Prüfung für Dein Stück geeignet ist. Entscheidend sind Material, Form und die Frage, ob nur die Oberfläche oder auch der Kern untersucht wird.

OberflächeRöntgenfluoreszenz · RFA / XRF
Bestimmt die Zusammensetzung an der Oberfläche. Eine Edelmetallschicht kann den anders zusammengesetzten Kern verdecken. Ein passender Oberflächenwert genügt daher nicht für den ganzen Barren. Oberflächenanalyse
Begrenzte MesstiefeElektrische Leitfähigkeit
Prüft Materialeigenschaften unter der Oberfläche. Messtiefe, Geometrie und die richtige Vergleichslegierung begrenzen die Aussage. Ein Messgerät muss zum Stück passen. Leitfähigkeit und Messtiefe
Inneres eines BarrensUltraschall
Kann bei geeigneten Barren Hinweise auf Fremdkerne und innere Veränderungen liefern. Er ergänzt die Materialprüfung. Ultraschall bei Barren
MaterialabriebStrichprobe mit Prüfsäure
Vergleicht den Goldgehalt eines Materialabriebs. Beschichtungen und die Entnahmestelle begrenzen die Aussage; das Stück kann Spuren behalten. Säuretest und seine Grenzen.
Entnommene ProbeLaboranalyse einer Probe
Für eine genaue Feingehaltsbestimmung gibt es metallabhängige Verfahren, etwa die Feuerprobe bei Gold oder spektrometrische Analysen bei Platin und Palladium. Dafür kann eine Materialprobe nötig sein. Verfahren des fem Forschungsinstituts

05 / Dein nächster Schritt

Das Stück soll heil bleiben.

Wann ist eine Fachprüfung sinnvoll?

  • Gewicht, Maße oder Prägung passen nicht zu den Herstellerangaben.
  • Material oder Legierung sind unklar, etwa bei geerbtem Schmuck.
  • Das Stück ist selten, wertvoll oder für Dich unersetzlich.

Dann ist eine passende Fachprüfung der nächste Schritt. Einordnung der Royal Mint

Anfeilen, Aufschneiden oder Erhitzen sind keine schonenden Heimtests. Kläre vor einer Fachprüfung, ob Material entnommen oder die Oberfläche verändert werden muss. Bei Sammlerstücken kann schon eine kleine Beschädigung den Wert beeinträchtigen. Schonender Umgang mit Münzen

Notiere lieber Deine Beobachtungen und nimm vorhandene Belege zur Prüfung mit. Bei einer seltenen Münze sollte zusätzlich die konkrete Ausgabe beurteilt werden: Eine Materialanalyse allein beantwortet noch nicht alle Fragen zum Sammlerstück.

Wenn Metall, Feinheit und Gewicht feststehen, kannst Du den Edelmetallwert pro Gramm ansehen oder selbst rechnen. Der Rechner führt keine Echtheitsprüfung durch.

Stempel einordnen

Noch zwei häufige Fragen.

Kein Stempel: Ist das Stück deshalb falsch?

Nein. Bei älteren, ausländischen oder stark abgenutzten Goldstücken kann ein Stempel fehlen oder kaum lesbar sein. Das allein entscheidet nicht über die Echtheit. Umgekehrt ersetzt eine sichtbare Prägung keine Materialprüfung. Hinweise zu Stempeln

Kann Unzenblick die Echtheit bestätigen?

Nein. Unzenblick erklärt Prüfmethoden und berechnet den Edelmetallwert aus Deinen Angaben. Die App und der Rechner untersuchen weder die Oberfläche noch das Innere Deines Stücks.

Unzenblick · Beispielbestand

Unzenblick für Android · Beispielbestand